Diabetes ist nicht ansteckend und beisst nicht…

Es ist eigentlich erstaunlich, wie gelassen Umwelt auf mein DM reagiert oder eben nicht. Vielleicht liegt das an meinem gelassenen Umgang damit und meiner offensiven Information darüber. Vielleicht treffe ich aber auch schlicht fast nie auf die real existierenden Arschlöcher oder Hilflosen…wer weiss.

Mein verstörendstes Erlebnis war wohl die Eröffnung der Diagnose, als mir all die klischierten (Nicht)-Informationsbrocken und Plattitüden durch den Kopf gingen, die so übers „Zucker haben“ kursierten. Zudem hing ich ja selber auch in der Klischéefalle fest, von wegen Diabetiker sind alle dick, fehlernährt und Couchpotatoes und so. Mein Erstaunen darüber, dass ich davon betroffen bin war riesig, wo ich mich doch gesund und ausgewogen ernährte, einen BMI von 22 habe, Sport treibe und auch sonst aktiv bin.

Gleich nach der Diagnose jedoch kam mein erstes Highlight in der Düsternis: Ich müsse keine Angst haben, eine Diät gebe es nicht mehr und ich dürfe essen und trinken was ich wolle. Sofort erschienen vor meinem geistigen Auge all die Leckereien, die ich schon mal prophylaktisch aus meinem Vokabular und Speiseplan gestrichen hatte wieder.

Ausser leicht schrägen Blicken, wenn ich in der Öffentlichkeit spritze oder meinen BZ messe habe ich bis jetzt *Holz anfass* noch nicht erlebt. Dagegen stehen viele aufmunternde Worte und solche der Bewunderung, wie souverän ich damit umginge und was ich alles schaffen würde, trotz der Krank…stopp, sage ich dann jeweils, denn ich betrachte Diabetes zwar durchaus als Krankheit aber nicht als eine die mich an irgendwas hindern kann, im Gegensatz zu anderen Erkrankungen.

Und dann wären da natürlich noch die ewig besorgten und mitleidigen zu nennen, die einem genau so auf die nNerven gehen, wie offen Aggressive. Das Besorgtheit äussert sich meist mit „…darfst du das denn?* oder „…kannst du das denn?“, was ja (vermutlich) lieb gemeint ist aber konträre Gefühle auslöst, jedenfalls bei mir. Die Mitleidigen übertünchen häufig nur ihr Nichtwissen oder schlimmer, es geht ihnen gar nicht um mich, sondern nur darum sich besser zu fühlen. Also lasst es, danke!

Die geneigte Leserein und der dito Leser verdächtigen mich jetzt vermutlich der Schönfärberei und der Autosuggestion eines paradiesischen Daseins oder so. Es gab einige wenige negative Situation von denen ich die krasseste in diesem Blog unter https://gerri3003.wordpress.com/2014/04/13/durfen-sie-das-denn/ schon mal beschrieben habe. (Notiz an mich: Nächstes Mal kein neues Geschreibsel sondern nur noch 2.-Verwertung. Spart Lebenszeit.)

Negativ fallen mir auch immer wieder Halbinformationen oder Klischéeverbreitung in Infosendungen auch der öffentlich-rechtlichen Anstalten und extrem schlecht recherchierte Filmszenen mit z.B. an Zuckerschock (Hyperglykämie) sterbenden Diabetikern nach einer Tafel Schokolade auf. Komisch nur, dass in solchen Elaboraten die viel gefährlichere Hypoglykämie selten vorkommt.

Auch die Diskussionen über die Kostenübernahme von Messgeräten, Pens, Insulin oder CGM-Geräten und Insulinpumpen durch die Krankenkassen und mehr Selbstbehalt, die dann häufig mit einer zumindest unterschwelligen Schuldzuweisung an Diabetiker begründet sind, gehen mir gehörig auf den Sack. Zumal diese Schuldzuweisungen meist aus Uninformiertheit und Ignoranz geäussert werden, im schlimmsten Fall sogar aus purem neoliberalen Kosten-/Nutzendenken. Das dies in der Schweiz nicht so akut ist, beruhigt mich wenig, denn wir neigen hierzulande dazu, jeden Schei** aus Deutschland nachzumachen, wie z.B. die unselige Fallpauschale in den Spitälern.

Ich denke, neben dem persönlichen Umgang ist mein Umfeld wesentlich mitverwantwortlich, dass ich eigentlich kaum wirklich enervierendes (abgesehen von der lästigen Messer-, Stecher- und Spritzerei) wegen meiner DM erlebe.

Ich Glückskind hab halt Schwein…

diabetes-blog-Woche_Final

http://diabetes-blog-woche.de/

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