Herr des Zuckers oder wie ich D. Iabetes erwischte!

Nun, wo war ich als der Diabtetes meiner habhaft wurde, was habe ich gemacht, wie reagiert? Schwierige Frage, denn das würde ja bedeuten erst mal zu ermitteln, wann er mich erwischte.

Die ersten Indizien waren wohl schon meine Sauferei, also das Saufen von Unmengen von Mineralwasser und Süssdingern, also bis zu 9 Liter am Tag, nur dass wir uns richtig verstehen. Wo das alles hinging wollen Sie wissen? Nun, mein Körper schien irgendwie als Durchlauferhitzer zu funktionieren, denn das Zeug kam in der selben Menge, einfach etwas wärmer unten wieder raus. Zudem liess der Durst nicht nach sondern schien das Sprichwort „Mit dem Saufen kommt der Durst!“ wörtlich zu nehmen. Und diese Erwärmerei saugte offensichtlich soviel Energie, dass ich vom blossen Trinken und Pieseln ganz müde wurde. Ok, es waren natürlich auch enorme Distanzen, die ich von der Küche oder dem Wohnzimmer zum Klo zurücklegte…Ach ja, arbeiten musste ich jzwischendurch ja auch noch, was eine ziemliche Quälerei war.

Ich wurde immer schwächer und meine Muskulatur schwand, ich führte das aber erst auf eine Art Grippe oder so zurück, vermutlich auch aus Angst vor einer allfälligen schlimmen Diagnose. Daher ging ich wohl auch nicht zum Arzt. Diese Entscheidung wurde mir dan aber (gottseidank) abgenommen.

Eines schönen Tages, es war Dezember, Weihnachten stand vor der Tür, was mich als bekennder Atheist nicht sonderlich berührte, dessen Auswirkungen mir aber ziemlich auf den Sack gehen, als ich mich zwecks meiner damals alle 3 Monate fälligen Routinenachuntersuchung ins USZ (Universitätsspital Zürich) begab und diese brav erduldetet. Dazu gehörte wie immer auch eine Blutuntersuchung. Ich traf mich danach mit Freunden und kam so gegen 19 Uhr nachhause wo der AB bereits wie wild blinkte. Ich ignorierte ihn, um erst mal meine Blase zu erleichtern, die nach 4 Flaschen Mineral doch ziemlich zickig tat. Erleichtert (in zweierlei Hinsicht) widmete ich mich danach dem AB der mir erzählte, dass mit meinem Blut etwas nicht stimmen würde und ich doch bitte am nächsten Morgen mit gepackter Tasche und so im USZ erscheinen solle. Nun ist das bei mir so eine Sache, wenn ich „etwas stimmt nicht mit ihrem Blut“ höre, denn ich verfüge über eine ausgeprägte Phantasie, einer meist sehr schrägen zumal, die sich ob dieser kryptischen Nachricht natürlich auch einige schräge Interpretationen ausdachte. Ich schlief diese Nacht sehr schlecht oder wenig oder gar nicht, je nachdem welchen Teil meiner Person, Körper, Bewusstsein oder Traumwelt, man fragt…

Ich zog dann also am Morgen los, bewaffnet mit frisch bestücktem iPod, Laptop und 1,2,3 oder so Büchern. Im Spital angekommen schien die Dame im Notfall bereits zu wissen, was mit mir los ist und staunte einigermassen, ob meiner heiteren Erscheinung und meiner Gelassenheit. Die allerdings kurze Zeit später jäh umschlagen würde.

Ich habe ja „Hitchhiker’s guide to the galaxy“ mit grossem Vergnügen und unter missbilligenden Blicken meiner damaligen Freundin, die auch mitlachen wollte, gelesen und mich auch köstlich über „42“ als Antwort auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ amüsiert. Nun bekam „42“ am 20. Dezember 2011, 09.45 Uhr im Universitätsspital Zürich eine ganz neue, bittere Bedeutung. Die Süssen unter den Leser/-innen werden es bereits erraten haben: Jawohl, das war mein Blutzuckergehalt! Ob diese Koinzidenz Douglas Adams berührt hätte? Nun ist ein BZ von 42 mmol/l nicht wirklich besorgniserregend, er ist dramatisch. Nach einer ersten Kurzaufklärung, in der Ausdrücke wie Koma, Bewusstlosigkeit, Schwindel etc. fielen, verstand ich nachträglich auch den erstaunten Blick der Dame am Empfang.

Nachdem erste Massnahmen, den Blutzucker zu senken eingeleitet waren, wobei man wissen muss, dass ein so hoher BZ-Wert nicht einfach mit einer Unmenge Insulin auf den Normalwert gedrückt werden kann, weil das der Organismus nicht wirklich goutiert, das dauert 2,3 Tage, kam ich auf die Bettenstation, denn normalerweise werden Neudiabetiker stationär im Spital eingestellt. Einstellen bedeutet, die genaue Art des Diabetes festzustellen, die Therapie zu bestimmen und die Menge an Basal- und Bolusinsulin festzulegen und gegebenenfalls anzupassen. Dies macht man offensichtlich sicherheitshalber stationär.

Bisher war für mich alles logisch und technokratisch abgelaufen und das konnte ich problem- und einigermassen emotionslos nachvollziehen. Nun aber, im Spitalzimmer, ohne ablenkende, herumwuselnde Ärzte und Ärztinnen, ohne Erklärungen und Beschwichtigungen erhielt meine Phantasie Auslauf. Und was die sich ausmalte, war in der besagten Situation gelinde ausgedrückt, etwas erschreckend. Ich wurde allerdings nie panisch aber sehr nachdenklich und melancholisch, kam doch nun all das Halbwissen, alle Klischées und furchterregenden Bilder hoch, die mir eine Zukunft in kulinarischer Kargheit, ein Leben ohne Sex und später auch ohne Füsse und Augen vorgaukelten. „Herr Häfele, Zeit für das Mittagessen…“ Gottseidank durchbrach eine Pflegefachfrau den wabernden Nebel der Düsternis und erweckte mit ihrem strahlenden Lächeln und dem Strahlen ihrer grünblauen Augen…und wenn sie nicht gestorben si…ok,lassen wir das. Immerhin sah das Essen „normal“aus, sprich nichts von Kargheit oder so, was mich doch schon ein kleines bisschen mit meinem DM versöhnte. Man kann ja eine Beziehung auch nicht auf Düsternis und Wut aufbauen, sowas kommt doch nie gut.

Am Nachmittag bekam ich dann Besuch von einem Endokrinologen (ich kann das Wort mittlerweile blind schreiben, ehrlich!) und Diabetologen, der mich weiter beruhigte, indem er mir versichterte, dass ich alles essen dürfe und auch soviel wie ich wolle, da bei mir ja das Problem der Übergewichtigkeit nicht bestehe, ich müsse einfach die Insulinmenge anpassen. Gescheiter sei aber schon, etwas umsichtig zu sein, was man zu sich nehme. Was mir bekomme würde ich mit der Zeit eh herausfinden und das Wichtigste sei, dass ich mich dabei gut fühle. Sie seien dazu da, mich auf den ersten Schritten zu begleiten, bis ich mich sicherer fühle und auch nachher würden sie mir stets zur Seite stehen, wenn ich was wissen wolle oder Hilfe benötige. Salbungsvoll und fast etwas pathethisch nicht? War aber dann tatsächlich so, „mein“ Team, bestehend aus einem Endokrinologen, einer Diabetes-Ernährungs- und einer Diabtesberaterin hat mich das ganze erste Jahr begleitet und wertvolle Hilfe geleistet.

Zurück ins Krankenzimmer.Leider waren meine 2 Zimmergenossen nicht sehr geniessbar. Ich hab echt Probleme mit Leuten, die dauernd negativ eingestelt sind und meinen dies ihrer Umwelt auch noch ungefragt mitteilen zu müssen. Nur ein Besispiel: Als ich am 2. Tag den ersten Blutzucker-Wert unter 10 mmol/l hatte, freute ich mich wie nicht gescheit und die Replik aus dem Nebenbett: „Freu dich nicht zu früh, der geht schon wieder hoch!“ Ich meine, dass ist doch einfach eine Scheissreaktion, der litt an dem selben wie ich, war also nicht todkrank oder so! Immerhin war ich ja körperlich einigermassen fit, so dass ich die Zeit meist irgendwo sonst vertrieb, nur nicht bei diesen Griesgramen…

Ich verlängerte dann meinen Aufenthalt, weil ich mich über die Feiertage da sicherer fühlte und gleichzeitig dem ganzen Trubel aus dem Weg gehen konnte. Nicht dass ich seit daher jede Weihnacht im Spital verbringen würde, da gibts doch deutlich angenehmere Orte, obwohl mit dem Personal könnt ichs mir schon…nee, lieber nicht! Diese Zeit machte mich „sattelfest“, so dass ich seither problemlos mit meinem Diabetes klar komme, die überwiegende Zeit zumindest. Und wenn ich nicht gestorben, bin ich nicht…hohohoooo!

Zum Schluss: In den 6 Tagen im Spital wurde ich mit Informationen eingedeckt, die meine Klischées und Vorurteile zerstreuten und die mich sehr beruhigten. Zudem wurde ich von den Pflegekräften in der Bettenstation der inneren Medizin fast schon liebevoll umsorgt und sie fanden auch die Zeit, den Nebel der Düsternis zu verscheuchen, wenn der mich mal wieder umwaberte. Ich widme daher meinen heutigen Beitrag allen Pflegenden, Beratenden und ÄrztInnen des USZ. Ich danke Euch!

Wollte ich nur mal gesagt haben…

diabetes-blog-Woche_Final

http://diabetes-blog-woche.de/

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